Als 2003 “Im kleinen Kreis”, die erste Platte der Paul Dimmer Band, rauskam, war sie fast zu viel für mich: diese verstörende Ruhe, dieses Gegenteil von Groove, diese Schwere… “Im kleinen Kreis” war fremd und ungewohnt und gerade deswegen zog mich dieses Album in seinen Bann. Noch im selben Jahr habe ich die Band live gesehen und fand sie gut, danach hab ich sie auch noch gelegentlich gehört, aber im Großen und Ganzen zu den Akten gelegt. Auf einmal veröffentlichen die wieder ein Album! “Wenn alle Stricke reißen” ist ohne Frage gut, aber leider auch nicht mehr - bei mir will sich einfach nicht die Magie des Erstlings einstellen: irgendwie klingt mir die Paul Dimmer Band neuerdings - und das ist wirklich nicht böse gemeint, schließlich gefällt mir ja, was ich da höre, nur kickt es mich eben nicht im erhofften Maße - zu typisch, zu erwartbar. Ich würde diese Platte gerne mehr lieben, als ich es tatsächlich tue. Sorry, Paul.
- Selbsthilfegruppe für alle, die Damien Rice und David Gray, Adele und Duffy, Josh Rouse und Josh Ritter nicht auseinanderhalten können: The “Twinning” Of Rock Bands beim Word Magazine.
Liebe auf den ersten Hördurchgang. What Made Milwaukee Famous ist meine Band der Stunde - letzte Woche hab ich sie zufällig in einem Podcast gehört und fand sie gut. Heute war das Album im Briefkasten. “What Doesn’t Kill Us” ist ein 38minütiger Ritt durch die Popgeschichte. Vom zunächst verstörenden Drama im Opener “Blood, Sweat & Fears” über die nur vordergründige Leichtigkeit der Single “Sultan” (siehe Video) bis hin zu Meisterstücken wie “Resistance St.” (mp3) und dem versöhnlichen “The Other Side” am Schluß - die fünf Herren aus Austin verdichten Zutaten, die man von den Beatles, The Who, Neil Young, aber auch Radiohead, Muse und Screaming Trees kennt, zu einem dann doch recht eigenständigen und stimmigen Sound. Obendrein ist das geschmackvoll gestaltete Digipak, in das die CD gebettet ist, mal wieder ein guter Beweis dafür, dass physische Tonträger als Einheit von Musik und Artwork einfach eine stärkere Strahlkraft haben als praktische, aber “schnöde” mp3-Downloads. “What Doesn’t Kill Us” wird bei mir in der nächsten Zeit wohl auf Dauerrotation laufen: WMMF sind nicht Indie, nicht DIY, nicht everyblogger’s darlings - sie sind brillianter, großer Pop.
- “Ich liebe die Idee, dass Radio sich Zeit lassen kann. Und dass es ein flüchtiges Medium ist: Kaum ist das Wort über den Sender gegangen, ist es auch schon weg.”Die Zeit interviewt Radio-Mann Fritz Ostermayer
- Also, ich mochte Are You Gonna Go My Way ja sehr…
Habe eben das neue Album von Jason Mraz vorbestellt, auf dem interessanten Weg. Der normale Weg: “We Sing. We Dance. We Steal Things“, das Ergebnis von drei Jahren Arbeit in mehreren Sessions, kommt am 13. Mai als CD raus. Der interessante: wer vorbestellt, kriegt die Songs des Albums vorab auf drei EPs in alternativen Versionen. Die EPs heißen konsequenterweise “We Sing”, “We Dance” und “We Steal Things”. Und dann kommt im Mai als Krönung das Album, das alle Songs schließlich in den finalen Versionen bietet. Wer Album und EPs als CD kauft, kriegt zur Belohnung DRM-freie mp3-Downloads aller Veröffentlichungen gratis obendruff. Geile Sache, und ich freu’ mich wie ein kleines Kind auf die viele neue Musik vom Mr. A-Z, dem ich einfach nicht widerstehen kann.
Was nix kostet ist nix wert? Diesen Spruch finde ich ja eh seltsam, und hier kommt mal wieder ein schöner Gegenbeweis. Jason Anderson aus New Hampshire verschenkt eine ganze EP (”On The Street”) . Nicht vom eigenartigen Live-Intro abschrecken lassen; nach einer Minute kommen dann sieben Studioaufnahmen, die recht naturbelassen und direkt klingen. So sind “On The Street” und “Omaha” prägnante, rotzige Rocksongs, die Drums scheppern bisweilen etwas vordergründig, aber insgesamt ist die EP ganz schick und legt Todd Thibaud- und Bruce Springsteen-Assoziationen nahe. Ein Highlight ist “This Will Never Be Our Town”, weil es noch mal einen Zacken räudiger und aggressiver daherkommt als der gute Rest. Runterladen und selber hören: kost’ nix, tut nicht weh, klingt gut.