Drei Jahre Zeit gelassen hat sich Ben Folds für den Nachfolger des doch recht introvertierten und gesetzten, aber schönen Albums „Songs For Silverman“. Viel ist im Foldschen Universum in der Zwischenzeit passiert – um mal nur ein paar Sachen rauszupicken: etliche Internet-EPs, Tourneen mit großen Orchestern, eine Scheidung und, unlängst, eine Reunion der Ben Folds Five für eine Nacht.
Turbulenzen, Veränderungen und Standortbestimmungen, die man Way To Normal anzuhören glaubt. Der euphorische Auftakt mit „Hiroshima“ und „Dr. Yang“, das brilliante Duett mit Regina Spektor („You Don’t Know Me“) oder auch die wie üblich herzzerreißenden Balladen wie „Cologne“ – auf dem dritten regulären Soloalbum von Ben Folds klingt alles frischer und forscher, als man das zuletzt in Erinnerung hatte. Die von manchen nach „Silverman“ geäußerte Befürchtung, Folds würde es sich als „nächster Elton John“ bequem machen (okay, die Symphonieorchester-Geschichten waren aber auch grenzwertig!) ist unbegründet. Er schleudert sie immer noch raus, die ungestümen Melodieläufe und die zwischen ehrlicher Melancholie und pubertärer Dreistigkeit changierenden Texte; er hat sie immer noch perfekt drauf, diese angenehme Schrulligkeit, die ihn sicher und stets davor bewahrt, zu platt, zu beliebig, zu gefällig zu werden.
„Way To Normal“ ist – trotz ein, zwei schwächerer Momente, über die ich mal ganz großzügig hinweghöre – das richtige Signal im richtigen Moment: eine überraschend übermütige Platte, die ich so von Ben Folds gar nicht mehr erwartet hätte.
- Phantom Planet haben eine Daytrotter-Session aufgenommen und spielen vier Songs vom aktuellen Album „Raise The Dead“ – Download hier.
- Wiedervereinigung für eine Nacht: Ben Folds Five spielen ihr Album „The Unauthorized Autobiography of Reinhold Messner “ in voller Länge im Rahmen einer Myspace-Veranstaltung.
- Neues von Ani DiFranco - die Dame veröffentlicht am 30. September das Album „Red Letter Year“, den Song „Emancipated Minor“ gibts vorab gratis (mp3).
- Der US-Rolling Stone findet die neue Okkervil Rivernur so mittel.
- Sinéad O’Connor singt „Hey Jude“ im italienischen Fernsehen:
It’s so good it’s breaking my heart, singt er im bittersüßen Titelsong „Free At Last“. Damit trifft Josh Fix den Nagel auf den Kopf – und mit allem anderen auch.
Das Internet ist ne coole Sau, weil man ganz zufällig solche Sensationsalben wie dieses hier entdeckt: letzte Woche hab ich einen Track aus diesem Debüt im Netz gefunden und in meiner siebenSONGS-Reihe verlinkt. Noch am selben Abend habe ich mir das ganze Ding runterladen und bin seither hin und weg. Dieser Alles-Könner aus San Francisco hat ein derart übermütiges, pralles Album gemacht, dass ich aus dem Grinsen gar nicht mehr rauskomme – er klaut bei den Beatles und bei Queen, er tickt manchmal wie Ben Folds und manchmal wie die seligen Jellyfish, er schreibt Traumsongs und weiß in jeder Sekunde, was er tut.
Happy Ruhestand, Elton John; hau ab, Mika – Josh Fix macht jetzt Eure Jobs, und er macht sie besser als Ihr. Sommer, jetzt kannste kommen!
Die bestens aufgelegten siebenSONGS 14 beginnen mit Ex-Phish-Häuptling Trey Anastasio und einem Song seiner neuer Live-CD. Über den Beitrag von The Young Sinclairs schreibtdas Blog No Dessert For You: „Certainly a track for the ‘puff, puff, give’ sessions of summer.“ Gazillion aus Minneapolis bieten dann einen feinen Song, der mich irgendwie an Blind Melon erinnert, die Gazillion-Kumpels von Sonicate (gemeinsame Split-EP, immerhin) glänzen mit dem Ohrwurm „Paint It Gold“ und Hercules & Love Affair sorgen für ausreichend Funk und Soul in der Runde. Dann auch noch The Real Tuesday Weld aus London. Mit ihrer Version des ABBA-Songs „The Day Before You Came“ haben sie mein 2007 umgekrempelt, die hier vertretene neue Liveaufnahme ist nicht minder geil: Over The Hillsides. Das großartige Finale bestreitet diesmal der Früher-mal-Südafrikaner-jetzt-San-FranciscoerJosh Fix, der neue Ben Folds der Herzen, der von „Whiskey And Speed“ singt. Ob das die tollsten siebenSONGS seit Bestehen dieser Reihe sind? Aber sicher doch!!!
- Von „Hitchiker’s Guide To The Galaxy“ bis „Slaugtherhouse Five“: Eine Liste mit den 50 besten „Kult“-Büchern, zusammengestellt vom Telegraph.
- Beim Word-Magazine spielen sie schon wieder das iPod-Randomizer-Spiel – die ersten fünf Shuffle-Tracks des iPods, und Bescheißen is’ nich. Hier die Listen, hier meine fünf von grade eben: Chris Barron – Providence, Southerly – Young William Snow, Dave Matthews Band – Still Water -> Don’t Drink The Water (live), Paperlung – Beating Hearts, Joseph Arthur – Chapter 1.
- Intro weiß mehr über das für September erwartete neue Album von Ben Folds.
- Alabama 3 covern Joy Division: Love Will Tear Us Apart. (mp3)
- Und gleich noch ein Cover: What Made Milwaukee Famous covern You May Be Right von Billy Joel (mp3)
- Frustratingly ordinary: Pitchfork renzensiert das neue Madonna-Album „Hard Candy“
- Meine neue Lieblings-Soap geht in die vierte Runde: das Mon)tag-Studiotagebuch:
- Früher brauchte man Petitionen, um den Sack mal herzulocken, heutzutage ist er ja dagegen fast schon dauerpräsent in Deutschland: Ben Folds kommt mal wieder zu uns, genauer nach Hamburg, Mannheim, Bochum und Bonn.
- Wie findet Ihr denn das neue Pitchfork.tv? Hab noch nicht so viel gesehen, aber auf den ersten Blick doch ganz anständig, oder?
- Deviousness I can’t deal with. That’s not to my taste. Der Guardian hat Salman Rushdie gesprochen.
- Mon)tag gehen ins Studio und begleiten das Werden ihres neuen, dritten Albums künftig in Wort und Bild im eigenen YouTube-Kanal. Das ist toll, zur Feier der Stunde hier ein Video von ihnen: